Freitag, 25. Juni 2010
 Wenn wir den Begriff Kinderarbeit hören, assoziieren wir das meistens mit negativen Bildern von ausgebeuteten Kindern in Entwicklungsländern, die statt guter Bildung und einem angemessenen Erziehungsumfeld arbeiten müssen, um zur Existenzsicherung ihrer Familie beizutragen. Dabei ist Kinderarbeit in Deutschland eigentlich selbstverständlich. Viele Kinder nehmen neben Ihrer Ausbildung kleine Jobs an, um sich etwas dazu zu verdienen, zum Beispiel mit Babysitting, Zeitungen austragen usw. Der Unterschied besteht darin, dass die Kinder in Deutschland sich meist aus eigener Initiative eine Arbeit suchen und auch nicht unbedingt darauf angewiesen sind zu arbeiten. Laut der Kinderwissenschaftlerin Prof. Dr. Beatrice Hungerland werden die wenigsten Kinder in Deutschland von ihren Eltern dazu gedrängt, einen Nebenjob anzunehmen. Wenn die Initiative jedoch von den Eltern kommt, dann erstaunlicherweise häufiger in finanziell besser gestellten Familien, um den Kindern Verantwortung im Umgang mit Geld beizubringen. Weiterhin erklärt Prof. Dr. Hungerland, die Motivation der Kinder sei nicht immer nur das Geld, sondern die auch Anerkennung der Arbeit und das Sammeln neuer Erfahrungen, auch wenn die wenigsten Kinder der Meinung sind, der Nebenjob stünde mit dem späteren Beruf in Verbindung. Vielen ist dabei nicht bewusst, dass auch diese Art von Kinderarbeit oft illegal ist, z.B. Babysitten nach 20.00 Uhr. In solchen Fällen wird oft ein Auge zugedrückt und die gängige Meinung ist, dass es den Kinder nicht schadet, eigenverantwortlich ein wenig Geld zu verdienen. Der Grund dafür ist, dass sie sich selbst zu der Arbeit entscheiden und sie normalerweise jederzeit beenden können, wenn z.B. die Leistung in der Schule dadurch abfällt. Entscheidend für die Toleranz von Kinderarbeit ist demnach die Ausgangssituation, in welcher sich die Kinder befinden, wenn sie eine Arbeit annehmen.
Link zum Artikel: Ehrlich verdient statt abgezockt
 Eine aktuell erschienene Meinungs-Kolumne kritisierte nun die vermeintliche „Charity-Fassade“ von Prominenten und Unternehmen. Im Fokus des kritischen Beitrags stand der Textildiscounter KIK und deren derzeitige Werbeikone Verona Pooth. Die schon häufig wegen „Unmenschlichkeit“ und Kinderarbeit in die Schlagzeilen geratene Firma nutze gezielt die Werbeindustrie und karitative Medienkampagnen, um ein  positives Image in der Öffentlichkeit festzusetzen. Dahinter stehe oftmals nur „heiße Luft“, da trotz allem die Arbeitsbedingungen und Löhne beim Baumwollanbau katastrophal sind. Zwar existiert ein "Code of Conduct", doch dieser ist wegen zu seltenen Kontrollen weit entfernt davon, für bessere und faire Arbeitsbedingungen zu sorgen. So sei KiK „in der Vermarktung ihrer bescheidenen Wohltaten ganz groß, doch in Sachen sozialer Verantwortung ganz klein.“ Das soziale Engagement bleibt nur oberflächlich, wobei sich nicht wirklich etwas an den menschenverachtenden Zuständen in den Produktionsländern ändert.
Auch die Kunden stehen in der Pflicht, hinter die „Charity-Fassade“ zu blicken und nicht nur „dort zu kaufen wo die Produkte nur billig, sondern ihren Preis für alle Beteiligten wert sind.“
Link zum Artikel: In der Billigfalle
Mittwoch, 23. Juni 2010
 Die zunehmende Vernetzung der Welt bietet nicht nur viele Chancen sondern zwingt viele Branchen dazu, sich auch international zu vernetzen und zu agieren, um effektiv zu arbeiten. So organisiert sich auch der "Wirtschaftszweig" der kriminellen Netzwerke zunehmend über Ländergrenzen hinweg. Stichworte wie Menschenhandel, Prostitution und Kinderarbeit beschreiben die negativen Seiten der internationalen Zusammenrückung, die durch die weltweiten Verbindungen zunehmend schwerer fassbar und vor allem kaum verfolgbar werden. Doch im Kreislauf der international operierenden Kriminalität existiert ein mächtiger Mitspieler – der Verbraucher. Mit ihm steht und fällt das Geschäft von illegalem Handel, Produktion unter ausbeuterischen Bedingungen und menschenverachtenden Vorgehensweisen. Leider ist es uns – dem mächtigen Mitspieler – nicht wirklich bewusst, welche Einflussmöglichkeiten wir haben. Zugespitzt formuliert: durch unüberlegten Konsum, unterstützen wir die organisierte Kriminalität. Hinzu kommt, dass die staatlichen Behörden zusehend „überrollt“ werden von der Menge an illegalen Produkten und dem Schmuggelhandel von Menschen. Um die Lukrativität der organisierten Kriminalität einzudämmen muss an vielen Bereichen gearbeitet werden: bei Gesetzen, Kontrollen und der internationalen Justizzusammenarbeit besteht genauso Handlungsbedarf wie beim Gewissen der Konsumenten.
Link zum Artikel: Der Verbraucher als Helfer des Verbrechers
Donnerstag, 17. Juni 2010
Eine Gruppe von Frauenrechtlerinnen protestierte jüngst mit Erfolg gegen ein Werbeplakat des österreichischen Kaufhauses „Steffl“. Die kurze aber sehr heftige Kritik beinhaltete den Vorwurf der pädophil-sexistischen Sexualisierung eines Kindes. Nun will das Kaufhaus das Plakat austauschen.
Auf dem Plakat sieht man ein etwa 6-jähriges Mädchen. Lasziv blickt es wie ein Filmstar über die rechte Schulter in die Kamera. Das Mädchen ist stark geschminkt und trägt die Haare wie bei einer Filmpreisverleihung. Fest steht, dass der Augenaufschlag nicht an ein kleines Mädchen erinnert, sondern einer arroganten Diva gleichkommt. Nun stellt sich generell die Frage, wie und ob man überhaupt Kinder als Werbemodels einsetzen darf. Fest steht auch, dass besagtes Plakat kein „kindgerechtes“ Bild zeigt und der Adressat des Bildes ausschließlich die konsumierende Erwachsenenwelt ist. Die kommerzielle Vermarktung von Kinder-Werbeplakaten, die nicht für Kinderartikel werben ist generell kritisch zu sehen, da der Vorwurf der interpretierten Pädophilie nachvollziehbar ist, jedoch im Einzelfall geprüft werden muss.
In diesem Fall ist das Plakat noch im Rahmen der allgemeinen Moral- und Wertvorstellungen, da das Kind komplett bekleidet ist. Dennoch fällt das „erwachsene“ Make-up und die Bildunterschrift des Plakates "girl looks like a doll" negativ auf.
Solange Kindernmodels nicht gezwungen werden, bleibt eine abschließende Wertung jedem hinsichtlich seiner Moralvorstellungen selbst überlassen.
Generell bleibt noch zu sagen, dass eine wachsame und kritische Öffentlichkeit einer schweigenden und alles bejahenden Bevölkerung in jedem Fall vorzuziehen ist!
Link zum Artikel mit Werbeplakat: "Steffl" zieht anstößiges Werbesujet zurück
Dienstag, 25. Mai 2010
 Das Schweizer Fernsehen hat sich indirekt Fälle von Kinderarbeit zuschulden kommen lassen. Während der Dreharbeiten zu einem Dokumentarfilm über das Himalayagebirge wurden Kinder unter 16 bzw 14 Jahren als Gepäckträger engagiert. Sie trugen während einer dreiwöchigen Trekkingtour jeweils 35 kg Gepäck auf bis zu 5300 Höhenmeter hinauf - lediglich mit Sandalen an den Füßen. Der Walliser Hotelier Arthur Furrer, der ebenfalls an der Expedition teilnahm, erhebt schwere Vorwürfe gegen die Berner Reiseorganisatoren Kobler und Partner. Der Geschäftsführer der Firma gibt die Vorwürfe zu. Eine Partneragentur vor Ort hatte die Gepäckträger engagiert, die sich oft als älter ausgeben als sie sind, um eingestellt zu werden. Die Dokumentation wird wie geplant ausgestrahlt werden. Christian Müller, Leiter der Dokuredaktion beim Schweizer Fernsehen: "Selbstverständlich werden die jungen Träger und die Diskussionen in der Bergsteigergruppe um das Thema Kinderarbeit Teil dieser kritischen Reportage sein."
Es stellt sich hier die Frage, ob dieses brisante Thema im Nachhinein kritisch aufgearbeitet werden kann, nachdem zunächst bewusst weggesehen wurde. Und ob es nicht gar zugunsten der Verantwortlichen gewinnbringend instrumentalisiert werden wird.
Link zum Artikel
Mittwoch, 19. Mai 2010
 Tatsache ist: Die öffentlichen Verwaltungen auf allen staatlichen Ebenen geben zusammen rund eine Viertel Billion Euro pro Jahr für die Beschaffung von Produkten und Dienstleistungen aus. Darunter fallen sowohl die Tasse Kaffee die im Rathaus serviert wird, als auch das Gehalt der Angestellten der Reinigungsfirma, welche die öffentlichen Gebäude säubern. Einleuchtend ist sofort, dass die öffentliche Hand vor allem für die Bürger eine Vorreiterrolle übernehmen könnte im Bereich „fairer Handel“ und „Nachhaltigkeit“. Doch gilt dies auch für Unternehmen? Seit der Vergaberechtsreform von 2009 ist es den Kommunen, Ländern und dem Bund freigestellt, öffentliche Beschaffungen nach ökologischen und sozialen Gesichtspunkten zu beziehen.
Nun stehen zwei zentrale Fragen im Zentrum:
Sollte die öffentliche Hand ökologische und soziale Aspekte in der Beschaffung verstärkt berücksichtigen, um eine nachhaltige Entwicklung zu fördern?
Kann damit eine verantwortliche Unternehmensführung vorangebracht werden?
Diese Fragen werden aktuell auf der Plattform www.diskutieren.de kritisch erörtert.
Zur Anregung finden sich auch einige Expertenmeinungen aus wirtschaftlicher, politischer, wissenschaftlicher und sozialer Sichtweise.
Wer seine gesellschaftliche Verantwortung wahrnehmen möchte, kann sich an der interaktiven Diskussion noch rund einen Monat beteiligen und so zum kritischen Diskurs beitragen.
Link zur Diskussion
Donnerstag, 22. April 2010
Mit einer neuen Informationsbroschüre zum Thema Kinderarbeit wirbt die „Aktion 3. Welt Saar“ für ihre Ziele und sucht Unterstützung. Der im Saarland ansässigen allgemeinpolitischen Organisation gelingt es mit ihrer Flugschrift kurz aber prägnant zu informieren. Sie plädiert dabei nicht für ein generelles Verbot von Kinderarbeit, sondern für die Verwirklichung von Kinderrechten. Durch diese könnten die Ursachen und Bedingungen von ausbeuterischer Kinderarbeit besser ausgehebelt werden. Beschrieben werden auch konkrete Handlungen, die im Kampf gegen Kinderarbeit helfen. Gefördert wurde die Flugschrift von der Stiftung Demokratie Saarland, von der InWent gGmbH aus Mitteln des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung und vom Evangelischen Entwicklungsdienst (EED).
Link zur Flugschrift: Kinderarbeit – Wem nützt sie?
Dienstag, 6. April 2010
 Wie auf indianexpress.com heute zu lesen ist, fordert Professor R.C. Sobti von der Panjab University im Rahmen des Seminars “Human Rights Advocacy: Strategies and Safeguards“, sowohl jedem Kind zwei volle Mahlzeiten pro Tag zu garantieren, um die Auswirkungen von ausbeuterischer Kinderarbeit einzudämmen, als auch gleichzeitig armen Kindern eine Chance auf Bildung zu verschaffen, die Erwachsenenbildung zu verbessern und mehr Altenheime einzurichten.
Vor allem letzteres erscheint zunächst paradox, haben Altenheime doch so herzlich wenig mit den Belangen ausgebeuteter Kinder zu tun. Bei näherer Betrachtung allerdings, zumal unter den Aspekten der Ursachen von Kinderarbeit und der Nachhaltigkeit, macht die Forderung Sobtis durchaus Sinn.
"“Centre for Human Rights and Duties” über Kinderarbeit und Altenheime" vollständig lesen
Dienstag, 30. März 2010
2007 gründete Benjamin Thym das Start-up-Unternehmen "barcoo" - zunächst aus eigener Tasche, später durch ein Gründerstipendium der EU finanziert. Die Geschäftsidee des Unternehmensberaters: Indem Verbraucher per Handy den Strichcode eines Produktes scannen, können sie erfahren, ob es unter fairen Bedingungen hergestellt wurde. Neben Preis und Inhaltsstoffen wird angezeigt, ob das Unternehmen sozial und ökologisch verantwortlich handelt. Die Software kann man kostenlos im AppStore, über Googles Android Market oder auf der firmeneigenen Seite herunterladen. Hier werden Infos von Rankings, Firmenangaben und Nutzerbewertungen gesammelt. Transparenz für den Verbraucher ist das Ziel dieser Nachhaltigkeitsampel, die ähnlich strukturiert ist, wie beispielsweise die Firmenbewertung nach Ampelfarben der Kampagne Aktiv gegen Kinderarbeit. Aber um einen rein ideologischen Anspruch geht es wohl nicht: Thym und sein Geschäftspartner Tokic möchten mit der Geschäftsidee, u.a. durch Werbung, Geld verdienen.
Link zum Artikel auf Spiegel Online
Mittwoch, 3. März 2010
Nicht das erste Mal sieht sich nun auch Apple wieder mit schweren Verstößen gegen (sowieso nicht sonderlich Arbeitnehmer freundliche) Arbeitsrechte in Asien und speziell in China konfrontiert. Dass Apple das selbst veröffentlicht ist mutig und anerkennenswert, aber natürlich ist es auch die richtige Kommunikationsstrategie, die den Konzern vor noch härterer Kritik an seinem Geschäftsgebahren bewahren hilft.
"Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm - Apple´s Sündenfall" vollständig lesen
|