Der Name wirkt harm-, ja fast belanglos: Alleinreisende Kinder und Jugendliche, kurz Alreju. Diese sechs Buchstaben stehen für ein Heim in Brandenburg, in dem Unbegleitete Minderjährige Flüchtline (UMF) aufgenommen werden. Es handelt sich hier also nicht um Jugendliche, die sich freiwillig auf ein Reise-Abenteuer einlassen, sondern um Kinder, die in ihren Heimatländern teilweise die schlimmsten Kriegsverbrechen miterlebten. Manche wurden dazu gezwungen, selbst Menschen zu töten und zu zerstückeln, andere mussten mit ansehen, wie ihre Eltern gefoltert und ermordet wurden. Wenn diesen Kindern die Flucht aus ihrem Heimatland gelingt und sie sich nach Deutschland durchschlagen können, werden sie in Heime wie das Alreju aufgenommen. Das Alreju gibt es seit mittlerweile 16 Jahren; zur Zeit wohnen dort ca. 50 Flüchtlingskinder gemeinsam und bekommen so die Chance, zur Schule zu gehen oder eine Ausbildung zu machen. Obwohl die meistern der Kinder und Jugendlichen durch ihre schrecklichen Erfahrungen schwer traumatisiert sind, reden nur sehr wenige über ihre Erlebnisse. "Das ist ein Schutzmechanismus", sagt Mathilde Killisch, Leiterin des Alreju, zum Beispiel über den heute 20-jährigen Tim Okello aus dem Sudan. Tim lächelt ständig, egal was er gerade sagt oder zu wem er spricht. Als 10-Jähriger wurde er als
Kindersoldat rekrutiert; erst vier Jahre später gelang ihm die Flucht. Was in diesen vier Jahren passierte, darüber spricht Tim nicht.
Das Schicksal der Heimbewohner ist in den meisten Fällen ungewiss. Manche werden abgeschoben, andere hingegen würden gerne wieder nach Hause zurückkehren, jedoch wird ihnen die Einreise verweigert. In den meisten Fällen aber haben die Jugendlichen einfach nur Angst vor der Rückkehr in ihre Heimat.
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