Wie in den meisten afrikanischen Staaten ist auch Nairobi ein Land der Extreme. Besucht man Kibera, den größten Slum von Nairobi, trifft man auf Kinder wie den 8-jährigen Simon. Er lebt im Elendsviertel der Stadt mit seiner Mutter und seinen 5 Geschwistern von 1€ am Tag. Doch er hat ehrgeizige Ziele: Ein Stipendium für eine höhere Schulbildung um dem Teufelskreis aus Chancenlosigkeit und Armut zu entfliehen.
Wenige Kilometer entfernt wohnt die gleichaltrige Princess. Sie kennt ein ganz anderes Leben. Wörter wie Kinderarbeit, Hunger oder Armut sind ihr fremd, denn für ihre Sicherheit steht ein ganzes Bataillon an Dienstmädchen, Personendiensten und Chauffeur zur Verfügung.
Eine Kindheit in Afrika kann viele Gesichter haben und im Vergleich erscheinen diese immer als Gegensätze und Extreme. Auf keinem anderen Kontinent dürften die Lebensverhältnisse von Kindern so unterschiedlich sein. Die vielfältigen Probleme Afrikas betreffen die Kinder im besonderen Maße: Krankheiten, die bei uns als schnell heilbar gelten enden dort oft tödlich. Durch das warme Klima kommt es oft zu Missernten und Hungerkatastrophen. Die nie enden wollenden Kriege im Land wirken vor allem auf Kinder stark traumatisierend. Kinderarbeit ist nach wie vor Alltag für die meisten Kinder, da sie zumeist aufgrund der ärmlichen Verhältnisse ihrer Eltern mitverdienen müssen.
Die einzige Gemeinsamkeit von beiden: Sie hoffen auf den Erfolg der afrikanischen Mannschaften bei der WM. Doch das bleibt leider das Einzige.
Die Studie des Malawischen Arbeitsministeriums liefert einen aktuellen Überblick über die Verbreitung von Kinderarbeit in Malawi und den Umgang der Bevölkerung mit dieser Entwicklung. Demzufolge ist die Situation in ländlichen Gegenden besonders ernst, wo 78% der Kinder zwischen 10 und 14 Jahren mindestens teilzeitlich auf den Farmen der ihrer Eltern arbeiten. Neben der Arbeit in der Landwirtschaft weist der Bericht auf ausgeprägte Kinderarbeit im Bereich des häusliches Dienstes (speziell bei Mädchen) hin. Laut dem Artikel hat die Malawische Regierung verschiedene Anstrengungen unternommen, um auf die ausgeprägte Kinderarbeit im Land aufmerksam zu machen und sie einzudämmen. Im Jahr 2008 wurden hierfür Mittel in Höhe von 2 Millionen US-Dollar bereitgestellt. Weiterhin ist Malawi laut dem Bericht am ILO-IPEC-Projekt gegen gefährliche Landarbeit von Kindern beteiligt und konnte so die Anstellung von 3942 Kindern verhindern. Die aktuellen Zahlen sind jedoch weiterhin alarmierend, zu stärkeren Kontrollen fehlen die nötigen Ressourcen und der hohe ländliche Analphabetismus und Armut verstärken das Problem.
Nicht nur der Arbeitgeber, auch die involvierten Vermittlungsagenturen und Familienangehörigen sollten in Fällen von Kinderarbeit im Haushaltsbereich zur Verantwortung gezogen werden, so die Einschätzung eines Gerichts in Neu Delhi. Bisher wurden lediglich potentielle Arbeitgeber darauf hingewiesen, dass die Einstellung von Minderjährigen ohne Altersnachweis Strafen nach sich ziehen könnte. Zwei pensionierte Regierungsangestellte waren angeklagt worden, ein 15jähriges Mädchen als Hausangestellte eingesetzt und schlecht behandelt zu haben. Das Paar hatte Berufung eingelegt mit der Begründung, die zuständige Vermittlungsagentur habe das Alter des Mädchens mit 18 Jahren angegeben. Nun droht der Agentur die Lizenzentziehung, das angeklagte Paar wurde zu einer Geldstrafe verurteilt.
Kinderarbeit dauert in Bangladesh fortwährend an, wo fast 40 Prozent der Bürger unter der Armutsgrenze leben. Kinderarbeit ist zum Teil eine Notwendigkeit zur Existenzsicherung einer Familie, da das verdiente Geld der Eltern für Essen oftmals nicht ausreicht. „Wenn ich zu Hause unter 60 Taka ($1) pro Tag verdient hätte, müsse jemand in meiner Familie hungern,“ sagte ein dreizehnjähriger Arbeiter. 2006 verabschiedete die Regierung die Regierung ein Gesetz, welches den arbeitenden Kindern regelmäßiges Gehalt, Unfallersatz, Feiertage, und eine Ausbildung zusichert. Nachteilig ist, dass dieses Gesetz lediglich Kindern in der Textilindustrie zu Gute kommt. In Bangladesh ist die Grundschule für Kinder zwischen sechs und zehn Jahren kostenlos. Statistiken zeigen aber, dass nur 50 Prozent der Kinder eine Schule besuchen. Kinderarbeit ist zwar nicht illegal, wird aber auf Grund einer Entmutigung durch das Gesetz entgegengewirkt.
Kinderarbeit ist in Afrika an der Tagesordnung. Kinder werden als billige Arbeitskräfte angesehen, die sich aus Angst vor Misshandlungen nicht wehren. Das ist die Geschichte von Shyima, die in California als Haushalterin arbeitete. Shyima war neun Jahre alt, als ihre Familie sie zu Amal Motelib und Nasser Ibrahim, ein reiches ägyptische Paar, dass in Kairo wohnte, verkaufte. Wegen den Behandlungskosten ihres Vaters musste Shyimas Familie Motelib und Ibrahim um Geld bitten. Das Paar sagte, dass das Geld nur dadurch zurückgezahlt werden können, dass Shyima mit ihnen in die Vereinigten Staaten umziehe. Ihre Familie stimmte zu und 2000 zog Shyima mit ihnen nach Irvine, California, wo sie bis zu 20 Stunden pro Tag arbeitete, um das riesige Haus ohne Pausen oder Ruhtage Instand zu halten. Ihr Gehalt war USD$45 pro Monat und ihre Wohnung eine fensterlose Garage ohne Licht.
Die Kinder, die als Haushalter in den Vereinigten Staaten arbeiten, wandern mit vielen reichen Afrikaner ein, die Kinder in ihre Heimatländer als Haushalter anstellen. Sobald die Kinder in ihrem Haus in dem U.S.A. sind, gehen sie nie zur Schule und sind ihnen hilflos ausgesetzt. Shyima dachte nie daran, wegzulaufen. „Ich glaubte, dass es normal war“, sagte sie.
Urmila Choudhari war sechs Jahre alt und ihre Kindheit war zu Ende. Ihre Eltern verkauften das nepalische Mädchen als Dienstmädchen oder "Kamalari". Man sagte ihr, sie werde zur Schule gehen. Später lernte Urmila, dass sie als Dienerin arbeiten musste und nichts als Schülerin lernen durfte. Von vier Uhr morgens bis spät abends musste sie putzen, kochen, und waschen. Urmila versuchte nachts, alte Zeitungen zu lesen und von ihnen zu lernen, aber ihr 'Arbeitgeber' drehte ihr das Licht aus und sagte, dass sie Strom verschwende. Vier Jahre später diente sie einem Politiker als Haushälterin. Ironischerweise--da in Nepal den Kinderhandel ganz verboten ist. Aber die Tradition, der Alkoholismus der Väter und die schreckliche Armut halten den Kinderhandel in Nepal am laufen. Jeden Januar kommen die Landlords, die Vermittler und Großgrundbesitzer, und bringen viel Geld und ein Ziel mit: Mädchen und junge Frauen als Dienerinnen zu kaufen. Vor vielen Jahren war es Tradition in Kamalari, junge Mädchen die Arbeit im Haushalt zu lehren, und die Eltern waren oft sehr davon angetan, die Mädchen in fremde Haushalte zu schicken. Aber heutzutage hat dies in Kamalari mehr den Charakter einer Leibeigenschaft anstatt einer Tradition. Die heute 19-Jährige Urmila muss mittlerweile endlich nicht mehr dienen und betriebt ein Fotostudio in Dang, einem Ort nahe der indischen Grenze. In Katmandu zog sie mit 600 Ex-Kamalaris in einem Protestzug zum Regierungssitz. Sie sagt, sie wolle die Politiker für die gestohlene Kindheit von vielen Mädchen in Nepal vor Gericht bringen.
Die Regierung Indiens ist unfähig, ein exaktes Gesetz zur Regelung des Mindestarbeitsalters von Kindern festzulegen. Es existieren rund 40 verschiedene nationale Gesetze, die sich auf unterschiedliche Altersstufen und Arbeitsbedingungen beziehen, so z.B. „Rights of the Child“, den „Children Act“ von 1974, den „Factory Act“ und den „Mines Act“. All diese Gesetze definieren ein Kind ab dem Alter von 18, 16, 15 oder 12 Jahren. Nachdem es keine national konsistente Richtlinie gibt, existiert Kinderarbeit unvermindert weiter in Indien: 7,4 Mio. Kinder arbeiten, nach einer Untersuchung des „National Child Labour Survey von 2002 und 2003. Internationale Gesetze, wie die Kinderrechtskonventionen der ILO, die einen Menschen unter 18 Jahren als Kind definieren, wurden von Indien bisher nicht ratifiziert. Sie kategorisieren zudem verschiedene Formen ausbeuterischer Kinderarbeit, auch deren schlimmste Formen. Dazu gehören Sklaverei, Zwangsarbeit, Kinderpornografie und jede Art von Arbeit, die der Gesundheit, Sicherheit und Sittlichkeit eines Kindes schadet. Experten kritisieren die in Indien bestehenden Gesetze als unangemessen, als vage, generalisierend und widersprüchlich. Nachdem sie sich zudem auf den formellen Beschäftigungssektor konzentrierten, seien sie nicht umfassend genug, um alle Formen der Kinderarbeit zu erreichen. 93% aller arbeitenden Kinder sind im informellen Sektor beschäftigt, ohne Arbeitsverträge oder Sozialleistungen, als Schuhputzer, Dienstmädchen oder Lastenträger.
Der Handel mit Kindern aus Entwicklungsländern nach Großbritannien nimmt zu. Die Opfer stammen meist aus Asien, Afrika und dem Mittleren Osten. Britische Häfen und Flughäfen sind in zunehmenden Maße von illegaler Einschleusung betroffen. Zwischen April 2008 und dem Jahresende wurden allein über 400 Kinder aus Afghanistan und 200 Kinder aus Afrika von den Behörden aufgegriffen. Man vermutet, dass die Kinder sexuell ausgebeutet oder als Dienstmädchen missbraucht werden sollen. Nachdem sie in die Obhut der Behörden gelangt sind, kommt es in einem von acht Fällen zu Vermissten: Die Kinder verschwinden, ohne Spuren zu hinterlassen. Dahinter wird ein kriminelles Netz der Kinderhändler vermutet. Hilfsorganisationen kritisieren, dass die Auffangmöglichkeiten gering sind und die Behörden zu wenig Verantwortung und Engagement zeigen. In Kent, wo zahlreiche verschleppte Kinder ankommen, gibt es nur ein Zentrum mit einer Kapazität, zwei Dutzend Kinder aufzunehmen. „Wir sind natürlich betroffen angesichts der Situation. Wir tun alles mögliche, um das zu verhindern“, so Leyland Ridings, Kabinett-Mitglied für Kinder, Familie und Bildung. Link zum Artikel (englisch)
Mit einem Konzert in der kambodschanischen Hauptstadt Phnom Penh wollen World Vision Cambodia und die Menschenrechtsgruppe Licadho auf die Ausbeutung minderjähriger Dienstsklaven aufmerksam machen. Die Veranstaltung steht unter dem Motto: „Ich schütze Kinder, Du auch?“ Wie Lor Monirith, eine der Veranstalterinnen mitteilte, sollen die Rechte der Kinder auf Bildung und Gesundheitsversorgung, sowie ihr Schutzrecht vor Misshandlung und Ausbeutung thematisiert werden. Es werde daher neben Popmusik auch schauspielerische Darbietungen geben, die zur Problematik Kinderarbeit, speziell im häuslichen Bereich, Stellung beziehen.